Schöner Wohnen an einer Müllhalde
Samstag, den 01. August 2009 um 14:15 Uhr
Auf der Erde liegt ein zerfleddertes Buch: „Ein Alptraum für fünf Dollar". Es könnte kein passenderer Titel für den Zustand sein, der um die Lektüre herum herrscht. Müll, überall Müll. In der Einfahrt, im Hof, im Schuppen: Essensreste, Bauschutt, Säcke. . .Für dieses alptraumhafte Wohnumfeld bezahlen die Anwohner der Friedensstraße allerdings mehr als fünf Dollar.
Früher machte das Wohnviertel rund um die Friedensstraße richtig was her: Viele Gründerzeithäuser zeugen stumm davon. An der Nummer 118 allerdings sind die Fenster zur Straße vernagelt, die meisten Wohnungen stehen leer. Nur eine Mieterin hält es noch aus. „Aber sie hat auch zum September gekündigt", erzählt Sonja Dame, die Nachbarin von gegenüber. „Kein Wunder, wer will schon auf einer Müllhalde leben", schiebt Dame nach.
Seit drei Jahren herrsche dieser Zustand im Prinzip. Zwischendurch habe das Ordnungsamt mal aufgeräumt. „Dann ging's wieder los", meint Michael Dame, der sich mit als Müllwerker mit der Materie auskennt: „Einer fängt an, was hinzuschmeißen, dann kommt der nächste." Kommen können sie, denn eine Hälfte des Flügeltores zur Einfahrt ist ausgehängt. Die hohe Tür liegt wie vergessen neben dem Weggeworfenen.
Ausgehängt haben soll sie der ehemalige Besitzer des Hauses, ein Dachdecker. Vor drei Jahren, erzählt eine versammelte Schar Anwohner, habe der Insolvenz angemeldet. Einen Trabi soll er noch aus dem Lager, einer kleinen Halle im Hof, mitgenommen habe. „Wenn Sie in die Halle gehen, halten sie sich die Nase zu. Es stinkt nach Lösungsmitteln", warnt Gerhard Lenz, ein ehemaliger CDU-Ratsherr. Zusammen mit dem Vorsitzenden der Altenhagener Ortsunion, Christian Kurrat, kümmert er sich um die Friedensstraße 118.
In der Einfahrt liegen volle Tüten undefinierbaren Inhalts, dazwischen ragen Lebensmittelverpackungen heraus, aufgeschlagene Eier, Käsehappen, ein alter Teppich, ein defektes Lamellenrollo, die drei Einkaufswagen blinken beinahe wie frisch poliert. Für sie ist das Haus Friedensstraße 118 Endstation. „Muss erst was passieren?", fragt Lenz. Bisher ist es das noch nicht, Potenzial gibt es reichlich - Kinder und Jugendliche, die den Hof als Abenteuerspielplatz betrachten sowieso. „Wir meinen, dass eine Gesundheitsgefährdung durch Ratten besteht", erklärt Kurrat. Umweltamt und Ordnungsamt sind informiert. „Das Haus soll jetzt einer Bank gehören", erfuhr Kurrat - mit Geld fürs Aufräumen
An den Hof grenzen unmittelbar zwei Häuser. In einem Fenster liegt Jörg Engelbach. Er hat freien Blick auf den Müll und die Vorgänge im Hof. Unzählige Male habe er beim Ordnungsamt angerufen. „Selbst Nachbarn schmeißen ihren Müll in den Hof", ärgert er sich.
Quelle: Westfälische Rundschau, 31.07.2009, Anja Wetter






