Altenhagener Geschichten
Eine etwas andere Floßfahrt
Auf einer Eisscholle die Volme abwärts
erzählt von Heinz Kochbeck
Geboren am "Schipkapass", nicht in 2.376 Metern Höhe in Bulgarien, sondern im Stadtteil Altenhagen. Dort an der Eisenbahnbrücke nach Eckesey wurde ich geboren und verbrachte meine Kindheit in diesem Stadtviertel der ehemaligen Gemeinde Eckesey-Altenhagen.
Einige werden sich jetzt vielleicht fragen, warum man die Brücke "Schipkapass" nannte.
Laut Herrn Korthals vom Historischen Centrum, Fachbereich Stadtarchiv wurde die Eisenbahnbrücke nach dem Kriege 1870/1871 erbaut. Zur damaligen Zeit wurden viele Brücken, Gebäude und Denkmäler nach dem Sieg über die Türken am Schipkapass benannt.
Gespielt wurde auf dem Gelände der Reichsbahn. Fußball und verschiedene Kinderspiele. Aber auch an der Volme verbrachten wir unsere Freizeit. An kalten Wintertagen kletterte das Barometer oft auf hohe Minusgrade.
Eines Nachmittags im Februar 1941 holte uns Egon zur Floßfahrt auf dem eisigen Wasser der Volme ab. Bewaffnet mit einer Eisenstange kletterten Erich, Egon und ich an der Altenhagener Brücke die Mauer herunter, um auf das Eis des gefrorenen Flusses zu gelangen.
Ein vier bis fünf Meter langes Stück Eis in der Mitte des Wassers abzuschlagen, um es für eine Floßfahrt herzurichten. In gut einer Stunde hatten wir drei Jungen das Ziel erreicht. Die Breite des "Schiffes" betrug 1,5 Meter und das Eis war circa 25 cm dick. In der Mitte wurde ein Loch für die Eisenstange geschlagen. DIe Stange diente als Steuer- und Schubstück. Nachdem wir die Scholle betreten hatten, ging die Fahrt in Richtung Brücke und Schlacht los. Es war schon eine gefährliche Sache. Drei Kinder im Alter von zehn, zwölf und fünfzehn Jahren alleine auf der zugefrorenen Volme. Aber wir hatten unseren Spaß und es ging zügig voran. Das Unheil begann, als die Brücke erreicht wurde. Unser Eisblock geriet unter die Eisdecke und ich rutschte mit den Beinen zuerst ins kalte Wasser.
Meinen beiden Freunden gelang es, mich an den Armen festzuhalten und zurückzuziehen. Unter der Brücke gehend erreichten wir die Schlacht, wo wir gemeinsam ein Feuer entfachten. Hier wurde die Kleidung getrocknet und wir konnten uns ein wenig aufwärmen. Nach geraumer Zeit gingen wir nach Hause und stellten fest, dass wir einen guten Schutzengel und großes Glück gehabt haben.